Mit städtebaulicher Kriminalprävention die Stadtmitte gestalten

Die SPD-Fraktion begrüßt die Entwicklungen in der Stadtmitte und beantragte, die vorliegende Planung um den Aspekt der städtebaulichen Kriminalprävention zu ergänzen. Damit Kriminalitätsrisiken abgebaut und eine positive Entwicklung in der Stadtmitte gefördert werden kann.

Auf Antrag der SPD-Fraktion beschloss der Haupt- und Finanzausschuss am 23.03.2021 einstimmig zu TOP 20 Vorlage 2021/0110 Stadtmitte Marl:

1.) Die Planung wird um den Aspekt städtebauliche Kriminalprävention ergänzt.
2.) Die Verwaltung leitet eine Bewertung durch Expertinnen und Experten der Polizei zu der Frage ein, inwiefern Kriminalitätsrisiken durch die Planungen abgebaut werden
oder ob weitere Maßnahmen im Rahmen der (städtebaulichen) Kriminalprävention zu empfehlen sind.
3.) Die Ergebnisse und empfohlene Maßnahmen zum Abbau von potenziellen Kriminalitätsrisiken werden den politischen Gremien vorgelegt.

In der Begründung führte die SPD-Fraktion aus:
Die umfangreiche Entwicklung der Stadtmitte ist eine große Chance für die Stadt Marl. Es sind bereits gute Einzelprojekte mit einer breiten Öffentlichkeitsarbeit entwickelt worden. Die SPD-Fraktion begrüßt den jetzigen Planungsstand. Das Kulturzentrum Marschall 66, aber auch die Entwicklung des Rathauses als Begegnungszentrum und die gesamten Projekte der Marler Stadtmitte werden mehr Menschen anziehen und die soziale Kontrolle in diesem Bereich erhöhen. Städtebauliche Kriminalprävention nimmt die Gelingensfaktoren in den Blick und kann die vorliegende Planung gut ergänzen.
Stadtentwicklungsplanung ist in erster Linie dem Gemeinwohl verpflichtet. Sie hat das Ziel, die Chancengleichheit von verschiedenen Teilräumen sowie von unterschiedlichen Alters- und
Sozialgruppen der Stadtgesellschaft zu wahren, das schließt eine geschlechtergerechte Planung ein.
Mit konsensfähigen Lösungen oder akzeptablen Kompromissen kann sie angesichts wachsender sozialer und räumlicher Ungleichgewichte bei Zielkonflikten für einen gerechten Interessenausgleich sorgen und damit zur Wahrung des sozialen Friedens beitragen.

Eine Vielzahl unterschiedlicher Faktoren und deren Wechselwirkungen sind die Ursachen für die Entstehung von Kriminalität.
Die Schwerpunkte liegen überwiegend im sozialen Bereich. Unbestritten ist daher, dass zwischen dem räumlichen Umfeld, der Sozialstruktur und dem individuellen Verhalten von Menschen ein direkter Zusammenhang besteht.
Diese Wechselbeziehungen schließen auch normabweichendes Verhalten mit ein. Bestimmte Bau- und Nutzungsstrukturen können die Begehung von Delikten begünstigen bzw. hemmen und wirken sich darüber hinaus negativ bzw. positiv auf das Sicherheitsgefühl der Menschen aus.
Kriminalitätsängste spiegeln dabei nicht immer den tatsächlichen, individuellen potenziellen Gefährdungsgrad einzelner Personengruppen wider. Vielfach gibt die objektive Sicherheitslage weit
weniger Anlass zur Sorge als das subjektive Sicherheitsgefühl der Menschen. Eine Umsetzung städtebaulicher Präventionskonzepte erfordert die Kooperation aller in diesem Bereich
tätigen Behörden und Institutionen. Dabei muss auch die Polizei bei städtebaulichen Planungen und Maßnahmen ihr Fachwissen gezielt einbringen können.
Die Kriminalitätsrisiken können durch folgende Faktoren in der Stadtmitte positiv beeinflusst werden
(nach: Zimmer‐Hegmann, 2017):
1. Ordnungsrechtliche und kontrollierende Maßnahmen, Beispiel: Präsenz des KOD
2. Gestaltung und Technik, Beispiele: Hinreichender Lichteinfall bzw. ausreichende Beleuchtung, unübersichtliche Nischen im öffentlichen Raum vermeiden, Ecken mit illegaler Abfallentsorgung minimieren, Parkplätze einsehbar mit kurzen Wegen planen
3. Nutzungsverantwortung und Kohäsion der Bewohnerschaft, Beispiel: Aktivierung und Beteiligung der Nachbarschaft, z. B. über das Stadtteilbüro
4. Förderung der individuellen Sozialen Entwicklung, Beispiele: Maßnahmen gegen Risikofaktoren: Sucht- und Obdachlosenhilfe, Angebote vor Ort stärken
5. Soziales Management, Beispiele: Sauberkeit und Instandhaltung zur Vorbeugung von Vandalismus, Angebote für bestimmte Zielgruppen

In vielen Punkten ist die Stadt Marl bereits auf einem guten Weg. Die Polizei im Kreis Recklinghausen stellt ihr Expert*innenwissen der (städtebaulichen) Kriminalprävention den Kommunen kostenfrei zur Verfügung. Hierüber lassen sich vor allem weitere städtebauliche Maßnahmen identifizieren, die zum Gelingen der Entwicklung in der Stadtmitte beitragen können.