Solidarität ist für die SPD das Leitmotiv

Große Einmütigkeit zeigten die SPD-Delegierten beim Programmparteitag.

Marl. Eine Stadt, in der Solidarität groß geschrieben wird, die auch Menschen mit kleinem Geldbeutel nicht ihrem Schicksal überlässt: Dieses Bild malten am Freitagabend 50 SPD-Delegierte beim Programmparteitag ihres Stadtverbandes. Bei aller Harmonie gab es allerdings viel Groll und Empörung gegen Uwe Göddenhenrich.

Die Sozialdemokraten sehen den CDU-Politiker nicht nur als Wahlkampf-Gegner, der einen scharfen Ton anschlägt. Dass Göddenhenrich im letzten Rat Altbürgermeister Rudi Heiland als "vorbestraft" bezeichnete, weil er in der Nazi-Ära wegen Hochverrats verurteilt wurde, bringt die Sozialdemokraten in Rage. Ratsfraktionschef Peter Wenzel gestern beim Parteitag: "Das ist so, als würde sich jemand vor das Bonhoeffer-Denkmal stellen und sagen: ‚Der war doch vorbestraft.‘"

Beispielhaft soll die Stadt Marl sich entwickeln, wenn es darum geht, auch in Zeiten knapper Kassen ein funktionierendes Gemeinwesen zu erhalten. Das soll so im Programm stehen, es gab bei keinem Votum Gegenstimmen. So verwies Wenzel in seiner Ansprache zum neuen Kommunalwahlprogramm für die Zeit bis 2020 auf viele Kontakte und Gespräche mit Blick auf das nahe Ende des Bergbaus. Der Marler Bundestagsabgeordnete Michael Groß hatte erklärt: Er rechne damit, dass aus Berlin nach Marl flössen. Ein weiterer Schwerpunkt des Programms: die Forderung nach geeigneten Wohnungen für Menschen, die nicht mehr mühelos über Treppen steigen können. Die SPD will nach Wegen suchen, etwa Senioren zumindest den Verbleib in ihrem Stadtteil zu ermöglichen.

Scharf verwahrte sich Wenzel gegen alle Forderungen, keine weiteren Sozialwohnungen nach Marl zu holen: "Die Leute, die darin wohnen, sind uns genau so lieb wie die Menschen, die die Taschen voller Geld haben."

Weiter stark machen will sich die SPD auch dafür, so viele Betreuungsplätze wie benötigt für unter dreijährige Kinder zu schaffen. Viele Familien brauchten Unterstützung. Wenzel: "Wir haben es heute mit Kindern zu tun, die im achten Lebensjahr schon den vierten Vater kennengelernt haben."