Haldenfest : „Ab 70 darf man leider nicht mehr“

„Ich kenne das Türmchen“, entgegnete Ex-Vizekanzler Franz Müntefering, als ihm Paul-Dieter Günther von dem Engagement seiner Frau Brigitte Stanzel dort als Lesepatin erzählte. Müntefering war kurz zuvor beim Haldenfest der SPD Marl-Brassert und der IG BCE-Ortsgruppe Marl II auf der Halde Lipper Höhen eingetroffen. „Ich habe den Lesegarten gesehen, als er vor zwei, drei Jahren im Bau war, und mein Büroleiter Andreas Kuhlmann war schon als Kind immer im Türmchen.“

Der ehemalige SPD-Parteichef war zum dritten Mal auf dem Haldenfest der Genossen. „Als die Einladung von Michael Groß kam, mit dem ich ja in der Fraktion bin, habe ich sie gerne angenommen“, erklärte Müntefering, „denn ich halte es für eine gute Tradition und effektive Arbeit, wo man auch Menschen holt die sonst nicht zu politischen Versammlungen kommen.“ Seit seiner Ankunft mit der Kutsche herrschte eitel Sonnenschein, auch zu Münteferings Rede zur Rolle des Bergbaus in NRW, an dem sich andere gesund gestoßen hätten. Als Müntefering wieder abreisen musste, zog direkt das nächste Gewitter auf.
Er hatte zusammen mit den Besuchern den Absprung der drei Fallschirmspringer von der Loemühle verfolgt und nach der Landung mit den Sportlern gefachsimpelt. „Ich würde es ja gern auch mal probieren, aber ab 70 darf man leider nicht mehr“, fand er eine gute Ausrede.
Mit Marls MdB Michael Groß und einigen anderen Genossen unterhielt er sich über das „Pottrennen“ in Marl, bei dem den „Flintstones“ Carsten und Andreas beim letzten Mal ihr Feuerstein-Mobil unter den Füßen zusammenbrach, wie Groß lachend erzählte, und die Wichtigkeit von Blutspenden: „Ich habe selbst zweimal im Sommer erlebt, wie Menschen draufgegangen sind, weil die Ärzte ohne Blutkonserven nicht operieren konnten!“
Hüpfburg, Tombola, Bus-Shuttles vom Marktplatz Brassert, Reibekuchen und mehr gab es wieder für die Gäste, auch wenn es wegen des Regens wohl diesmal keine 750 waren, wie Ortsvereins-Vorsitzender Carsten Wach bedauerte, der zugleich Vorsitzender der IG BCE-Ortsgruppe mit 1000 Mitgliedern ist. „Ich bin richtig stolz, wie viele mit angepackt haben“, sagte er. Bei Organisation, Planung, Aufbau und Ablauf des Fests hätten über 40 Mann mit angepackt.
„Richtig nett, mal was ganz anderes“, schwärmte eine Seniorin bei der Abfahrt von der Halde. „Und so nah habe ich Fallschirmspringer im Leben noch nie gesehen!“