Zur Diskussion zur Kindergelderhöhung für Familien im Hartz IV-Bezug

Deutschland muss mehr für seine Kinder tun. Das wissen alle politischen Verantwortungsträger seit Jahren. Über den Weg wird heftig gestritten. An traditionellen familienpolitischen Weltbildern und Förderstrukturen will man nicht rütteln. Das führt zur Lähmung, nun endlich die richtigen Entscheidungen zu treffen. Besonders in die ersten Lebensjahre und frühe Kindheit muss mehr investiert werden.

Keine Frage, Schulen und Kindergärten brauchen mehr Geld. Mehr und besser bezahlte Lehrerinnen, Sozialarbeiterinnen und Erzieherinnen sollten im Alltag Kinder fördern und unterstützen können. Aber nicht nur die Bildung vom Kindergarten bis zum Erststudium inklusive einer entsprechenden Unterstützung sollte kostenfrei sein, sondern auch die Verpflegung der Kinder in den Einrichtungen.

Aus den vielen Bildungsstudien der vergangenen Jahre weiß jeder, was zu tun ist. Die AWO und der Kinderschutzbund haben ein interessantes Modell zur Grundsicherung für Kinder entwickelt, um die materielle Sicherheit für Familien sozial und einkommensabhängig gerecht zu gewährleisten.

Allerdings gibt es leider aktuell in der politischen Öffentlichkeit einige Geisterfahrer, die sich nicht seriös und nicht lösungsorientiert mit den Gründen für das Versagen von Gesellschaft und Eltern beschäftigen. Mit dem verbalen Vorschlaghammer werden Familien im Hartz IV-Bezug und in bestimmt nicht anzustrebenden Lebenswelten stigmatisiert und beleidigt. Hier wird nicht differenziert die individuelle Lebenssituation und -geschichte betrachtet, sondern richtig gekeilt.

Richtig, nicht alle Eltern können mit Geld umgehen. Allerdings ist das keine Milieufrage. Und nur weil sich Mütter und Väter aus anderen sozialen Schichten nicht an die Trinkhalle stellen, sondern ihre Rauschmittel sozial akzeptierter konsumieren, sind Verallgemeinerungen und der Angriff auf bestimmte Personengruppen nicht akzeptabel. Es ist aus meiner Sicht nicht nachvollziehbar, dass die Einkommen von Besserverdienenden steuerlich über den Freibetrag stärker staatlich subventioniert werden als in anderen Einkommensgruppen. Es ist auch richtig, dass wir mehr Geld in der Infrastruktur benötigen. Deshalb fordert die SPD unter anderem einen Bildungssoli, der über hohe Einkommen finanziert werden soll.