Deutschland hat Nachholbedarf

Diskutierten zum Thema „Vorfahrt für Kinder“: Michael Groß (AWO), SPD-Bürgermeisterkandidat Harry Meyer, Waltraud Lehn (MdB), Detlef Völkering (KAB) und die Ausschussvorsitzende für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Kerstin Griese.

Familienpolitik ist vor allem Politik für Kinder. Kerstin Griese (MdB) ist als Ausschussvorsitzende für Familie, Senioren, Frauen und Jugend Expertin auf diesem Gebiet. Sie referierte bei der Veranstaltung „Vorfahrt für Kinder“ der SPD-Bundestagsabgeordneten Waltraud Lehn und Frank Schwabe in Haltern am See. Die anschließende Podiumsdiskussion mit Michael Groß (Arbeiterwohlfahrt), Detlef Völkering (Katholische Arbeitnehmerbewegung) und Kerstin Griese moderierte SPD-Bürgermeisterkandidat Harry Meyer.

Gute Familienpolitik sorgt für bessere Rahmenbedingungen. Erste Erfolge sind das Eltern- und ein höheres Kindergeld, der Kinderzuschlag für Geringverdiener und der einen Bonus von 100 Euro pro Kind, den Familien im April aus dem Konjunkturprogramm II erhalten werden.

Neben der finanziellen Seite spielt für junge Familien und vor allem für Alleinerziehende die Kinderbetreuung nach der Elternzeit eine große Rolle. „Gerade für Kinder unter drei Jahren fehlen in Nordrhein-Westfalen Betreuungsplätze“, kritisierte Kerstin Griese. „Wir müssen jetzt nachholen, was bisher in Deutschland verpasst wurde.“ Doch dazu müsste das Geld, 480 Millionen Euro, die unserem Bundesland für Investitionen zur Verfügung stehen, von der Landesregierung endlich abgerufen werden.

Unter Familienfreundlichkeit fällt auch die Anpassung der Arbeitszeiten beispielsweise an den öffentlichen Nahverkehr. In diesem Zusammenhang kritisierte Detlef Völkering die langen Ladenöffnungszeiten. Besonderes Augenmerk verdienen Kinder aus Familien ohne eigenes oder mit nur geringem Einkommen. Michael Groß forderte Beitragsfreiheit für den Besuch von Kindertageseinrichtungen und eine gesicherte Essenversorgung.

Um sich vor Ort ein Bild zu machen, besuchte Kerstin Griese den von Karin Haberer-Unger geleiteten Kindergarten Sythen des Deutschen Roten Kreuzes. Nicht erst seit der Zertifizierung als Familienzentrum, sondern schon seit 1994 liegt der Schwerpunkt auf der Gesundheitserziehung. 72 Kinder besuchen den dreigruppigen Kindergarten. Ab Sommer 2010 kommen 16 Kinder unter drei Jahren zusätzlich in die Einrichtung. Für deren Unterbringung ist ein Anbau mit einem Gruppen- und weiteren Nebenräumen geplant.