Behinderte Menschen wollen selbstbestimmt leben

Karin Evers-Meyer (2. v. l.), informierte sich mit Bürgermeisterkandidat Werner Arndt, Bundestagskandidat Michael Groß und Waltraud Lehn MdB (alle SPD) bei cbt-Geschäftsführer Peter Joachimsmeier und Justina Szymanski (Haus Lea).

Einer Einladung der SPD-Bundestagsabgeordneten Waltraud Lehn folgend, besuchte die Behindertenbeauftragte der Bundesregierung, Karin Evers-Meyer, Marl. Zwei Punkte standen auf dem Programm: Gemeinsam mit den SPD-Kandidaten Michael Groß (Bundestag) und Werner Arndt (Bürgermeister),der gleichzeitig Sozialausschussvorsitzender ist, besichtigten sie Haus Lea Marl-Hüls und führten mit Marler Vertretern der Behindertenarbeit ein intensives Fachgespräch.

Das von der Caritas-Betriebsführungs- und Trägergesellschaft (cbt) betriebene Haus Lea ist eine dezentrale Wohneinrichtung für Menschen mit chronisch psychischen Beeinträchtigungen. „16 Menschen im Alter von 30 bis 67 Jahren leben hier in direkter Nachbarschaft mit Nicht-Behinderten“, erläuterten Justina Szymanski (Mitarbeiterin Haus Lea Marl-Hüls) und Peter Joachimsmeier als Geschäftsführer der cbt. „Psychische Erkrankungen und der gesellschaftliche Druck, aber auch Drogen sind Gründe für geringe Belastbarkeit, leider auch schon bei jungen Menschen“, so Gruppenleiterin Barbara Theen.

Sechs Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter helfen dabei, dass die Betroffenen zu selbständigem Leben und Arbeiten zurückfinden. Und sie stehen bereit, wenn sich eine Krise ankündigt. Das erfreuliche Ergebnis ist, dass sich Klinikaufenthalte durch das integrative Konzept, zentrales Wohnen und den offenen Umgang miteinander deutlich reduziert haben.

25 hochrangige Vertreter der Behindertenarbeit nutzen die Gelegenheit zum anschließenden Fachgespräch mit Karin Evers-Meyer. Sie berichteten von ihren Problemen vor Ort, sprachen rechtliche und gesellschaftliche Bedenken an und gaben der Behindertenbeauftragten Anregungen mit auf den Weg. Die Schwierigkeit, geeignete Arbeitsplätze zu finden wurde ebenso angesprochen wie das deutsche Schulsystem. „Nur 15% der Schulen arbeiten integrativ, das ist diskriminierend“, kritisierte Karin Evers-Meyer. "Jedes Kind muss individuell gefördert werden – egal ob behindert oder nicht behindert. Aus vielen Eingaben weiß ich aber, dass an dieser Stelle auch in NRW noch viel zu wenig unternommen wird."