Gedenken an Otto Wels

Otto Wels

75 Jahre ist es her, dass das „Gesetz zur Behebung der Not von Volk und Reich“, besser bekannt als das „Ermächtigungsgesetz“, am 23. März 1933 von der Mehrheit der Reichstagsabgeordneten beschlossen wurde. Nur die 94 mutigen Sozialdemokraten, 26 waren zu diesem Zeitpunkt bereits verfolgt oder inhaftiert, stimmten unter dem Vorsitz von Otto Wels als einzige gegen das Gesetz, dass die nationalsozialistische Diktatur etablierte.

Zur einer Gedenkstunde an die damaligen SPD-Abgeordneten hatten der Stadtverbandsvorsitzende Peter Wenzel und der Ehrenvorsitzende Manfred Degen eingeladen. Trotz heftigem Schneesturm waren die Genossinnen und Genossen zahlreich an der Otto-Wels-Straße erschienen. „Wir erinnern uns heute an das tragische historische Ereignis, als vor 75 Jahren in Deutschland die Demokratie zu Grabe getragen wurde“, begann Manfred Degen seine Rede. „Hitler ergriff nicht die Macht, sie wurde ihm übertragen.“

Bis heute unvergessen ist die letzte freie, bewegende Rede im Reichstag des SPD-Parteivorsitzenden Otto Wels: „Wir deutschen Sozialdemokraten bekennen uns in dieser geschichtlichen Stunde zu den Grundsätzen der Menschlichkeit und der Gerechtigkeit, der Freiheit und des Sozialismus. Kein Ermächtigungsgesetz gibt Ihnen die Macht, Ideen, die ewig und unzerstörbar sind, zu vernichten […].“ Das Bekenntnis Otto Wels zur Demokratie gipfelte in dem viel zitierten Satz: „Freiheit und Leben kann man uns nehmen, die Ehre nicht."

Degen betonte, dass Otto Wels Rede die mutigste sei, die jemals in einem deutschen Parlament gehalten wurde. „Für uns ist sie heute ein Grund, stolz zu sein und den Mut unserer Genossinnen und Genossen als Verpflichtung für unseren Einsatz für Demokratie und Menschlichkeit zu empfinden.“

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