Theorie und Praxis

Michael Groß MdB

Ein Jubiläum, aber kein Anlass zum Feiern. Fast genau zehn Jahre ist es nun alt: Das Leitbild zur Modernisierung der Stadtverwaltung. „Jetzt haben wir ein Glaubensbekenntnis“, so ein ehemaliges Ratsmitglied damals, „und wir sind gespannt auf die Umsetzung der Versprechen.“

Berechtigte Zweifel, dass dieses „Glaubensbekenntnis“ auch nur in Teilen realisiert wurde, äußert der SPD-Fraktionsvorsitzende Michael Groß. Die wichtigsten Eckpunkte im „Leitbildregelwerk“, der Umgang mit Ressourcen, Organisations-, Führungs- und Personalgrundsätze sowie das Verhältnis zur Politik, bleiben auch nach zehn Jahren nur graue Theorie.

Kritik übt Michael Groß an der Zusammenarbeit zwischen Bürgermeisterin und Politik, die sich alles andere als „partnerschaftlich, fair und sachbezogen“ darstellt. Auf allgemeines Unverständnis stößt, wenn in den Ausschüssen von der Verwaltung angekündigte Sitzungsvorlagen wiederholt fehlen, konkrete Konzepte angemahnt werden müssen und Beschlüsse der Politik nicht umgesetzt werden.

„Wie wird bei den Beschäftigten Motivation gewährleistet, wenn Anerkennung und Vertrauen verwehrt werden?“, fragt der Fraktionsvorsitzende weiter. „Man muss sicherstellen, dass jeder an der richtigen Stelle arbeitet und auch sein persönliches Umfeld berücksichtigen.“ Dazu würde, wie im Leitbild gefordert, auch die ständige Weiterbildung aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowohl in fachlicher als auch in psychosozialer Hinsicht gehören. Dem widerspricht leider die von der Verwaltung in den letzten Jahren vorgeschlagene drastische Reduzierung des Etats.

Trotz versprochenem „ständig gewährleisteten Austausch“ finden, nach Aussage der Bürgermeisterin in der vergangenen Personalausschusssitzung, keine regelmäßigen, geschweige denn kontinuierlichen Mitarbeitergespräche statt. „Informationen werden nicht weitergeleitet, die Transparenz über Entscheidungen nur unzureichend gegeben“, rügt Michael Groß. Die Art der Mitarbeiterführung sei deshalb keineswegs „respektvoll, fördernd und vorbildhaft“.

„Wir brauchen ein Arbeitsklima, das, wie im Leitbild beschrieben, durch Ehrlichkeit, Offenheit und Verständnis untereinander geprägt ist“, verdeutlicht der Fraktionsvorsitzende. „Nur dann ist eine erfolgversprechende und motivierende Zusammenarbeit innerhalb der Verwaltung und mit der Politik für unsere Stadt, unsere Zukunft und unsere Bürgerinnen und Bürger möglich.“