Die Marler SPD trauert um Hermann Richarz

Ein Mann der Tat, im Stil beharrlich, leise, aber klar im Wort zur richtigen Zeit und mit beachtlichen Ergebnissen für Marl. Sein Leben lang repräsentierte er Anstand, Zuneigung zu den Menschen und kluges, verantwortliches Handeln. Hermann Richarz war ein Sozialdemokrat, das war kein Zufall. Er war schneller als andere – mit den Worten, den Lösungen, mit dem Denken. Hermann Richarz war ein Vollblutpolitiker, der sich für seine Überzeugung und für die Interessen seiner Fraktion uneingeschränkt eingesetzt hat. Sein menschliches und politisches Vorbild, seine über Jahrzehnte geleistete verdienstvolle Arbeit sind uns, der Marler SPD, ein Vermächtnis und Verpflichtung zugleich.

Hermann hat in uns allen Spuren hinterlassen, die weiterwirken werden. Wir gedenken seiner in Dankbarkeit und großem Respekt und werden ihn vermissen.

Mit dem Tod von Hermann Richarz verliert die Marler SPD nicht nur einen engagierten Genossen; auch die Stadt Marl verliert eine profilierte Persönlichkeit, mit deren Namen wichtige Phasen in der Stadtentwicklung Marls verbunden sind. Geblieben ist in allen Zeiten seine Überzeugung, dass Recht und Gerechtigkeit, soziale Sicherheit und politische Freiheit die unantastbaren Grundlagen jeder Gesellschaftsordnung sein müssen, die Bestand haben soll. Treue zu diesen Grundsätzen, Treue zu den Menschen, die das gleiche erstreben, hat er vielmals durch die Tat bewiesen – auch in der Auseinandersetzung gegen Mächte, denen sich sonst alles beugen musste.

Geboren am 31.5.1911 in Leverkusen erlernte er als junger Mann den Beruf des Chemielaboranten bei Bayer. Zu Beginn des Weltkrieges arbeitete er in der Buna-Produktion in Marl und war unabkömmlich für den Kriegseinsatz eingestuft. Später wurde bekannt, dass er "heimlich und schwarz" Nachrichten des Feindradios hörte (Radio Luxemburg). Nach Verhören durch die Gestapo wurde er schließlich an die Kriegsfront nach Russland eingezogen. Verletzt kehrt er kurz vor der Kapitulation zurück nach Marl.

Hermann Richarz war seit 1945 Jahren SPD-Parteimitglied und Zeitzeuge historischer Stunden. Direkt nach Kriegsende gründete er mit weiteren Sozialdemokraten die SPD-Ortsgruppe Drewer. In seiner aktiven Zeit hat er an führender Stelle für die Marler Sozialdemokratie sowie die Industriegewerkschaft Chemie, Papier und Keramik gearbeitet. Zuvor war Hermann Richarz aktiver Kämpfer im antifaschistischen Reichsbanner und Mitglied im Arbeitersportverein.

Die Nachkriegsentwicklung der jungen Stadt Marl ist untrennbar mit dem Namen Hermann Richarz verbunden. Als Ratsmitglied wirkte er von 1946 bis 1984 aktiv im Haupt- und Finanzausschuss und im Krankenhausausschuss (Vorsitzender) am Aufbau und der Gestaltung unserer Stadt mit. Er war langjähriger SPD-Stadtverbands-Vorsitzender (1970-74) und SPD-Fraktionsvorsitzender (1964-1975) und hat so die Marler Kommunalpolitik entscheidend mitgeprägt.

Herrmann Richarz war Mitbegründer der wichtigen Marler Verwaltungsstelle der IG Chemie-Papier-Keramik und 17 Jahre deren Vorsitzender. Weiter war er Mitglied der AWO Drewer. Für seine langjährigen Verdienste und herausragendes bürgerschaftliches Engagement wurde Hermann Richarz 1981 mit der Stadtplakette Marl ausgezeichnet, der höchsten Auszeichnung unserer Heimatstadt Marl.

Bis zu seinem Tode war Richarz gerngesehener Gast und kritischer Gesprächspartner auf Veranstaltungen seines SPD-Ortsvereines Drewer-Nord. Zuletzt lebte er im Julie-Kolb-Seniorenzentrum der Arbeiterwohlfahrt. Die Marler SPD – Stadtverband, Fraktion und Ortsverein Drewer-Nord – verabschiedet sich von ihrem Freund Hermann Richarz in Dankbarkeit und nimmt Anteil an der Trauer der Hinterbliebenen.

Wichtige Stadtdaten für die Zeit seines Fraktionsvorsitzes
1964: Grundsteinlegung Scharoun-Schule, Eröffnung Hallenbad, 1965: Spatenstich Hügelhaus, 1966: Bezug der Rathaustürme, 1968: Eröffnung Musikschule, Marl-Mitte erhält Bahnanschluss, 1969: Einweihung Türmchen, 1972: Grundsteinlegung Stadtzentrum, 1973: Eröffnung Kinderzentrum, 1974: Eröffnung Marler Stern, 1975: Begründung Städtepartnerschaft mit Creil, 1976: Einweihung City-See und AWo-Seniorenzentrum Lipper Weg, Fernuni Hagen nimmt Betrieb auf.