Vizekanzler zum Anfassen in Marl

Der Vizekanzler der Bundesregierung Franz Müntefering war der Hauptredner beim Neujahrsempfang der Marler SPD am Sonntag im Rathaus. Aber nicht als Respektsperson, sondern als der Mann aus dem Volk, der es versteht, Menschen zu gewinnen. Nicht umsonst wird er wohlmeinend einfach „Münte“ genannt.
"Wir wollen, dass es den Menschen gut geht. Dafür machen wir Politik“, betonte der SPD-Stadtverbandsvorsitzende Michael Groß in seiner Begrüßung und freute sich über die mehr als 700 Gäste des Neujahrsempfanges.

Mit seiner Rede machte Müntefering schnell klar, dass es ihm gelingt, seine Politik an den Menschen zu orientieren und ihnen Hoffnung für die Zukunft zu geben.

„Die Wirtschaft ist für die Menschen da, und nicht umgekehrt" und „Derjenige, der arbeitet, muss mehr haben, als der, der nicht arbeitet“ waren Kernsätze seiner Rede, mit der er die Herzen der Zuhörer erreichte. Und auch die „Heuschrecken“ hat Münte nicht vergessen, vermied aber parteipolitische Polemik. Als langhaariger Juso hatte Franz Müntefering 1966 einen Protestbrief gegen die damalige Große Koalition an Herbert Wehner geschrieben. Den Beschluss hatte er für „Mist“ gehalten, erinnerte Michael Groß den Gast. Der entgegnete freimütig, Wehner habe damals Recht behalten, wie er wohl jetzt auch.

„Er begegnet den Mächtigen dieser Welt auf Augenhöhe, aber genauso den Menschen auf der Straße“, schwärmte eine Teilnehmerin über den Vizekanzler zum Anfassen. Denn Münte hatte sich für Marl Zeit genommen und war während des anschließenden Empfangs für viele Menschen unkompliziert zu sprechen. Dabei rauchte er genüsslich ein Zigarillo und trank Bier mit den Genossen.

Zwei Punkte wollte Groß dem „lieben Franz“ mit auf den Weg geben: „Die Steinkohle muss bis 2012 sicher bleiben und Jugendliche sollen wieder mehr Chancen in Deutsch-land haben! Ich weiß diese Themen bei Dir in guten Händen." Für Münte ist die Kohlewirtschaft über 2012 hinaus notwendig, mit der Atomenergie sind die Energie-Probleme von morgen nicht zu lösen. Als Arbeits- und Sozialminister nannte er ein wichtiges Ziel: "Kein Jugendlicher darf von der Schulbank in die Arbeitslosigkeit fallen."

Im Rahmen des Neujahrsempfangs wurden ehrenamtlich tätige Bürger der Stadt für ihr besonderes Engagement geehrt. Ausgezeichnet wurden Victor Klossowsky, Ruth Zier, Luise Fallseher und die Ehrenamtlichen des Julie-Kolb-Seniorenzentrums. „Ohne die Menschen, die sich in Vereinen und Verbänden unentgeltlich engagieren, geht es nicht. Die Ehrenamtlichen sind der Kitt der Gesellschaft“ sagte der Vizekanzler und bedankte sich bei ihnen gemeinsam mit Michael Groß, Werner Arndt, Ingrid Heinen und Waltraud Lehn.

Ein traditioneller Höhepunkt der Veranstaltung ist immer das Steigerlied, diesmal nicht nur mit Blechbläsern, sondern auch mit den kräftigen Stimmen von Franz Müntefering und Manfred Degen vorgetragen.