Viertgrößter Arbeitgeber in Marl soll städtisch bleiben

„Das waren noch gute Zeiten, da ich noch alles glaubte, was ich hörte“, kommentiert der SPD Fraktionsvorsitzende Michael Groß die aktuelle Pressemeldung der CDU zur Paracelsusklinik. „Für uns als SPD Fraktion ist deutlich, dass Entscheidungen nur dann auf kurze Sicht richtig sind, wenn sie auch langfristig Sinn machen“, bewertet Groß die öffentlich diskutierte Privatisierung der städtischen Paracelsus Klinik in Marl.

„Ich will nicht in einer Stadt leben, deren einzige Problemlösungsstrategie darin besteht, zu privatisieren!“ , so Groß, „wir sind gut beraten, gerade die Dinge sorgfältig ein zwei-tes Mal anzusehen, bei denen andere auf den ersten Blick ganz sicher sind.“

„Nicht zuletzt, “ so betont die stellvertretende Krankenhausausschussvorsitzende, Anette Langmann, „geht es hier auch um eine tatsächlich vorhandene 80 %ige Beschäftigungsquote von Frauen!“

Groß weist daraufhin, dass die Paracelsus-Klinik in diesem Jahr ihr 50-jähriges Betriebsjubiläum feiert und seit dem 01.01.1978 ein rechtlich unselbständiger, wirtschaftlich selbständiger Eigenbetrieb in Trägerschaft der Stadt Marl ist. Als einziges öffentliches Krankenhaus im Bereich der Bezirksregierung Münster stehe die Klinik im Wettbewerb zu den übrigen freigemeinnützigen Krankenhäusern des Versorgungs-gebietes. Und nach Auffassung der SPD – Fraktion, steht die Klinik dabei „gut da“. Heu-te zeige sich die Klinik in einem hervorragenden baulichen Zustand und sei von ihrer Struktur her bestens in der Krankenhauslandschaft aufgestellt. Denn von 1983 bis 2001 hat das Krankenhaus 18 Jahre in Folge Überschüsse erwirtschaftet, die in das Krankenhaus investiert wurden.

Ebenso wie derzeit in rund 60 % der Krankenhäuser in den alten Bundesländern, verfügt die Paracelsus-Klinik seit dem Jahre 2002 nicht mehr über einen ausgeglichenen Haushalt.

Ursächlich hierfür sind u. a. Fallzahlrückgänge durch neue Abteilungsstrukturen, Gesundheitsnetze, hohe Zuzahlungsregelungen im Krankenhausbereich, niedriger Krankenstand und Umschichtung von stationären Patienten zu ambulanten Patienten.
Die Betriebsleitung hofft mit einem Maßnahmenkatalog langfristig die Erlössituation des Krankenhauses zu verbessern. Hierzu zählen insbesondere Konzentration der Leistungen, Spezialisierungen, Gründung eines Facharztzentrums mit bis zu 20.000 Patienten je Quartal, Teilnahme an Netzwerken, neue Chefärzte mit Spezialisierungen, Qualitätsoffensive und Managementsysteme.
Mit der Anerkennung zum Brustzentrum sowie der damit verbundenen Unterstützung des Landes, leistet auch das Land NRW einen erheblichen Beitrag zur Sicherung der Klinik.

„Wir wünschen uns, dass die Anpassungsphase sich nur über wenige Jahre hinziehen wird“, bewertet Groß die Perspektiven für die Klinik, „da nicht zwingend mit einer kontinuierlichen Verbesserung des kommunalen Haushaltes zu rechnen ist!“

„Erfolgreiche Unternehmungen zeichnen sich durch eine hohe Anpassungsfähigkeit an ihre sich ständig ändernde Umwelt aus. Am erfolgreichsten sind jene, die selbst Änderungen vornehmen und diesen Vorsprung behalten,“ ergänzt die stellvertretende Krankenhausausschussvorsitzende, Anette Langmann, „hier in unserer Klinik haben wir günstige Voraussetzungen dazu. Das wichtigste Potenzial, die Beschäftigten, zeigen eindrucksvoll ihr Engagement und ihre Flexibilität im Interesse der Sicherung der Klinik. Vor allem in den letzten Jahren wurde dies bewiesen. So konnten die Personalkosten im letzten Jahr um rund 800.000 € gesenkt werden!“

„Wir trauen den 750 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Klinik zu, “ betont Groß für die SPD Fraktion, „gemeinsam mit dem Verwaltungsdirektor Kipp, die schwierige Situation zu überwinden und unterstützen die Bemühungen des Hauses nachhaltig.“