Nur Arbeiter und Angestellte zahlen

Auf dem Weg zur Kreuzkirche: Sigmar Gabriel, Peter Wenzel, der Chef des SPD-Ortsvereins Sinsen-Lenkerbeck, und SPD-Stadtverbandsvorsitzender Michael Groß (v. li.). WAZ-Bild: up

Soziale Gerechtigkeit. Gibt es sie noch? Der SPD-Ortsverein Sinsen-Lenkerbeck hatte gestern zu einer Podiumsdiskussion in die Kreuzkirche gebeten – mit einem prominenten Gast: Sigmar Gabriel (45), dem ehemaligen Ministerpräsidenten Niedersachsens.

Es begann lustig. Als Gabriel verspätet eintraf, sagte er: "Es muss im Wahlkampf einmal thematisiert werden, dass wir die Staus wegbekommen." Ziel müsse aber auch sein, wieder mehr (soziale) Gerechtigkeit zu bekommen. "Das Empfinden von Ungerechtigkeit hat zugenommen", sagte Peter Burkowski, der Superintendent des Kirchenkreises Recklinghausen. "Das Gefühl für Ungerechtigkeit wächst immer mehr", sagte Marls ehemaliger Stadtdechant Johannes Bengfort. Beide saßen zusammen mit Gabriel und Moderator Jens Vogel, dem SPD-Bürgermeisterkandidaten, auf der Podiumsbühne.

Es sei ganz schwierig geworden zu betrachten, was gerecht sei, sagte Gabriel. Als einen Grund für das aktuelle Dilemma nannte der Chef der niedersächsischen SPD-Landtagsfraktion die Wiedervereinigung. "Die deutsche Einheit", sagte er, "ist nicht klug organisiert worden." Nur Arbeiter und Angestellte müssten dafür zahlen. "Aber kein Beamter, aber kein Minister", sagte er. Gabriel sprach zudem von der geringen Wertschätzung der Bildung: "Die kann man schon beim Blick in die Klassenräume erkennen." AHa