Thema Ausbildungsplätze: offener Brief an Frau Heinrich

Zur Pressemitteilung in der Marler Zeitung am 17.8.2004 „Heinrich wirbt für Ausbildungsplätze“ schreibt Michael Groß in einem offenen Brief an Frau Heinrich:

"Mit großer Sorge habe ich in der Marler Zeitung lesen können, dass Sie Marler Unternehmen anschreiben müssen, um für die Schaffung zusätzlicher Lehrstellen in den Betrieben zu werben. Sie sprechen davon, dass sich in der Ausbildungsplatzbörse, die die Stadt Marl auf ihrer Internetseite eingerichtet hat, zur Zeit 120 Jugendliche um einen Ausbildungsplatz bewerben.

Die Bundesregierung hat in diesem Jahr einen Ausbildungspakt mit der Wirtschaft abgeschlossen, in dem sich die Industrie und der Mittelstand verpflichtet haben, zusätzliche Ausbildungsplätze zu schaffen. Die SPD in Marl hat sich in der parteiinternen Diskussion mehrheitlich für eine Ausbildungsplatzumlage eingesetzt, um den Jugendlichen genügend Ausbildungsmöglichkeiten und damit eine Zukunft gewährleisten zu können. Deshalb verfolgen wir natürlich mit großem Interesse, wie die freiwillige Selbstverpflichtung im Rahmen des Ausbildungspaktes in Marl greift.

Um eine fundierte Diskussion führen zu können, frage ich Sie, wie Ihrer Meinung nach, dieses von Ihnen geschilderte Missverhältnis zwischen Ausbildungsplatzbewerberinnen und –bewerbern und Ausbildungsplätzen insbesondere in Marl zustande kommen kann. Ohne Zweifel leisten Chemie und Kohle in Marl einen sehr großen Beitrag, um genügend Ausbildungsplätze zur Verfügung zu stellen. Auch deshalb wird die SPD diese beiden Industrien in Marl, im Gegensatz zu den anderen Parteien, insbesondere der CDU, mit hohem Engagement weiter unterstützen. Falls sich Ihre Zahlen aber für die Situation in der Stadt verallgemeinern lassen, zeichnet sich für viele Marler Jugendliche ein Desaster ab.

Sie haben natürlich Recht, wenn Sie die politische Argumentation der SPD übernehmen, dass Jugendliche in einer Zeit der riskanten Chancen ihre Zukunft und ihr Leben mit hoher Wahrscheinlich erfolgreicher gestalten können, falls sie eine Ausbildung abgeschlossen haben. Allerdings ist der Zeitpunkt Ihres Engagements entlarvend: Warum bemühen Sie sich in Ihrer Funktion als Bürgermeisterin nicht weit vor der Wahl? „Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben“, haben wir gelernt. Bei zu wenigen Ausbildungsplätzen nicht die Wirtschaft oder die Politik, sondern die Jugendlichen in unserer Stadt.

Mit einem herzlichen Glückauf