Rat ist keine Bühne für Eitelkeit

Im Wahlkampf setzt die Marler SPD auf Arbeitsteilung: Parteichef Michael Groß macht den politischen Gegner an, Bürgermeisterkandidat Jens Vogel zeigt die Ziele und Visionen auf.

Von Heinz-Peter Mohr

Vogel präsentiert sich beim Neujahrsempfang der SPD im Rathaus als konzentrierter Redner, der für Fairness und Respekt im Wahlkampf steht: "Der Rat ist keine Bühne für politische Eitelkeiten." Die CDU erwähnt Jens Vogel mit keinem Wort. Seine Sache ist die Sachlichkeit, der Verzicht auf Polemik: "Beschäftigung ist kein Thema, mit dem man parteipolitische Süppchen kocht. Wir müssen Arbeit schaffen und jungen Menschen eine Chance geben, sonst wandern sie ab und unsere Städte gehen zu Grunde."

Mehr als 350 Gäste, darunter die SPD-Prominenz und Bürgermeisterin Uta Heinrich, lauschen Vogel und der Europa-Abgeordneten Jutta Haug, die Michael Groß vollmundig als "Superstars" der SPD ankündigt. Zuvor versucht sich Groß als Wahlkämpfer: "Die CDU wünscht sich, dass wir 80 Stunden in der Woche arbeiten, keine Gewerkschaften haben und einen Spitzensteuersatz von 10 Prozent."

Jutta Haug wirbt für eine klare Trennung von politischer Verantwortung und Medienmacht in einem sozialen, gerechten Europa. Soziale Gerechtigkeit stellt auch Jens Vogel in den Mittelpunkt seiner Rede: Betreuungsangebote müssten ausgebaut werden, damit Mütter Familie und Beruf in Einklang bringen können. Ein familienfreundliches Marl brauche bezahlbare Wohnungen, keine leeren Wüsten im Stadtkern. Vogel: "Viele junge Menschen, die im Münsterland Wohnung suchen, wissen gar nicht, wie gut man in Marl wohnen kann. Marl ist eine grüne, lebenswerte Stadt. Das müssen wir auch so verkaufen."

Eine lebenswerte Stadt ist auch tolerant. Weil viele Ausländer schon in der Schule Ausgrenzung erleben, schlägt der SPD-Spitzenkandidat einen Ausschuss für Migrationsangelegenheiten vor. Darin sollen sich Ratsmitglieder und Vertreter der Ausländer um Integration bemühen.

Um die Stadtteile kümmern

Für seine Wahlrede erntet Vogel freundlichen Applaus. Er reißt nicht mit – aber er überzeugt, nicht zuletzt durch seine Aufforderung zum Engagement für die Menschen in den Stadtteilen.

Zwei, die sich seit 20 Jahren für Jugendliche engagieren, würdigt die SPD mit Urkunden und einem Blumenstrauß: Anja Schwarzbäcker, Gruppenleiterin der Pfadfinder "Ritter von Loe zum Loe" und Robert Lemke, Fußballjugendtrainer, Drahtzieher der Bunker-Initiative und der Fete ohne Knete.