„Westerweiterung“ – die SPD meidet nur das Wort

Foto: Michael Wallkötter

Ohne eine große zusammenhängende Ansiedlungsfläche droht der Chemiestandort Marl in Zukunft an Bedeutung zu verlieren. Diese Sorge teilt die SPD im Kreis Recklinghausen mit der ChemSite-Initiative, die sich international um Investoren bemüht.

Von ChemSite-Chefin Dr. Margarete Gersemann ließen sich SPD-Kreisvorsitzender Jochen Welt, der Arbeitskreis Wirtschaft der Kreistagsfraktion sowie die Marler SPD-Spitze gestern über die Zukunftsperspektiven des Chemiestandortes informieren. Ergebnis: Wenn die Konjunktur wieder anspringt – die Erwartung liegt bei 2004/2005 – müssen für Marl die Weichen gestellt sein. "Flächen müssen auf Vorrat geschaffen werden", betonte Dr. Gersemann.

Die SPD im Kreis und in Marl will das Thema vorantreiben, erklärten Welt und Co. in einem Pressegespräch. Das Wort "Westerweiterung" wird dabei behandelt wie ein rohes Ei. Man lässt es am liebsten nicht fallen. Doch es ist klar, dass es darum geht. Der Ausbau des Chemieparks – bislang an der notwendigen Verlegung der Schlenke-Siedlung gescheitert – soll wieder auf die Tagesordnung. Nicht mit Pauken und Trompeten, sondern ganz behutsam, damit, so Welt, nicht erneut Porzellan zerschlagen wird.

Die CDU-/Grünen-Mehrheit im Marler Stadtrat hatte Ende 2002 die Westerweiterungs-Planung zu den Akten gelegt. Die SPD sieht jedoch nicht nur in den Marler Christdemokraten die Totengräber des Chemiestandorts. Auch vom Landrat des Kreises, Schnipper (CDU), sei zu wenig gekommen, um das Schlenke-Problem zu lösen – zu wenig Geld und zu wenig Engagement. Der Landrat habe damit die Option verspielt, Arbeitsplätze zu schaffen.

Für einen neuen Anlauf sucht die SPD Verbündete. "Ein Sieg bei der Kommunalwahl 2004 würde uns die Sache sicherlich erleichtern", sagte Stadtverbandschef Michael Groß.