SPD Marl schlägt Rückstellung des Ezan-Rufs vor

Das Zusammenleben zwischen türkischer und deutscher Bevölkerung ist schwieriger geworden. Abgrenzungstendenzen sind deutlich wahrzunehmen. Die türkische Bevölkerungsgruppe bleibt lieber unter sich. Diese Einschätzungen trugen gestern Vertreter der SPD-Fraktion und des SPD-Ortsvereins Marl-Hamm in einem Gespräch mit dem Vorstand der Fatih-Moschee vor. Daher bleibt die Förderung des Zusammenlebens der verschiedenen Bevölkerungsgruppen weiterhin eine der aktuellsten Aufga-ben in der Stadt. Mit dem gemeinsamen Gespräch wurde dazu ein Beitrag geleistet.

Um diese Arbeit nicht zu gefährden schlugen die SPD-Vertreter der Fatih-Moschee vor, die Verwirklichung des Ezan-Rufes zurückzustellen. Wem nützt es wirklich, wenn eine Religionsgemeinschaft ihre Wünsche umsetzt, dies aber auf große Ablehnung in der Bevölkerung stößt? Nachbarschaftliches Zusammenleben braucht gegenseitige Rücksichtnahme.

In diesem Zusammenhang erinnerte die SPD daran, dass zum Bau der Moschee der Rat der Stadt Marl und die Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion e.V. Köln (DITIB) 1988 Vereinbarungen getroffen hatten. Dazu gehörte ausdrücklich auch der Verzicht auf den Ezan-Ruf durch einen Muezzin oder per Lautsprecher. Auf dieser Grundlage hat das Zusammenleben funktioniert. Die Akzeptanz für die jeweilig andere Relegionsgemeinschaft wuchs. Dies war ein guter Kompromiss zwischen den Glaubensgefühlen, den Werte- und Lebensvorstellungen der Muslime und der Bevöl-kerung in Hamm und Hüls-Nord.

„Die jetzige Situation insbesondere in den Ortsteilen Hüls-Nord und Hamm erfordert ein besonnenes Handeln. Ohne breite Zustimmung der Menschen soll es keine Veränderung geben.“ fasst SPD-Fraktionsvorsitzender Jens Vogel die Meinung der Marler SPD zusammen. Von der Bürgermeisterin erwartet die SPD eine schlüssige Konzeption, um die jetzigen negativen Tendenzen in ein friedliches Zusammenleben umzukehren. „Ihr bisheriges zögerliches Verhalten ist nicht hilfreich und nährt die Unsicherheiten statt das Zusammenleben zu fördern“, kritisiert Jens Vogel die Bürgermeisterin Uta Heinrich.