Rückenwind soll Vogel in das Rathaus tragen

Die Marler SPD will bei den Kommunalwahlen 2004 wieder Erster sein. Geschlossen, kämpferisch und programmatisch präsentierten sich die Sozialdemokraten am Montagabend im Rathaus. Für die Mitgliederversammlung, die gleichzeitig die Proklamation des Bürgermeisterkandidaten Jens Vogel bedeutete, mussten eigens noch Stühle in den Saal geschleppt werden.

Der Schock der Niederlage bei den letzten Kommunalwahlen ist verdaut, der Generationswechsel ist nicht nur in der SPD-Spitze sichtbar. Auch die im Frühjahr gebildeten Arbeitskreise, die in sieben Themenfeldern das "Regierungsprogramm" erarbeiten, sind eine Mischung aus "alten Hasen" und neuen Gesichtern; Männer wie Frauen.

Dass die Arbeitsgemeinschaft 60plus noch immer zahlenmäßig weit vor den Jusos rangiert, wollen die Senioren durch Tempo und Angriffslust wettmachen. Teamstärke und Geschlossenheit will die SPD gegen das Bild der Zerrissenheit innerhalb der CDU setzen.

Ausschließlich Rückenwind bekam deshalb auch Bürgermeisterkandidat Jens Vogel von allen Seiten. Willi Kuprat, Vorsitzender der AG 60plus, sicherte Vogel genauso hundertprozentige Unterstützung im Wahlkampf zu wie Juso-Vorsitzender Jörg Kupitz. Parteivorsitzender Michael Groß bekam schließlich für die Empfehlung des Vorstandes, Jens Vogel zum Bürgermeisterkandidaten zu machen, sogar hundertprozentige Zustimmung. Offiziell muss ein Parteitag im Januar die Nominierung noch bestätigten.

Prioritäten setzen

In einer programmatischen Rede hatte der Fraktionsvorsitzende der SPD seine Ansprüche auf das Bürgermeisteramt angemeldet. Durch die Differenzen zwischen der CDU und Bürgermeisterin Uta Heinrich sei Marl gelähmt. Die Stadt brauche einen führungsstarken Bürgermeister an der Spitze des Rathauses, der Politik mit dem Rat und nicht gegen den Rat macht, betonte Vogel. In Zeiten knapper Kassen müsse die SPD Prioritäten dort setzen, wo es um die Zukunft von Kinder und Jugendlichen gehe. Nicht zuletzt auf Initiative der SPD sei Marl zum Beispiel Vorreiter im Land mit der Einführung der offenen Ganztagsgrundschule.

Man müsse aber auch Antworten auf die Frage finden, wie Marl als Wohnstadt attraktiv für junge Familien werden könne. Wie die dringenden Probleme unserer Zeit angegangen werden können, welche Konsequenzen hohe Arbeitslosigkeit, soziale Spannungen und allgemeiner Bevölkerungsrückgang auf die Stadtplanung haben und wie bei bei leeren öffentlichen Kassen gegengesteuert werden kann, darüber zerbrechen sich derzeit sieben Arbeitskreise den Kopf. Mitmachen ist erwünscht. -gge