Schulen skeptisch Eltern abwartend

"Wie packen wir es an?" Diese Frage stellte
sich nicht nur Joachim Hasselmann, Dezernent
der Stadt Marl und zuständig für den Bereich
Schulen, sondern auch einige der rund 60
Teilnehmer der SPD-Fachkonferenz "Offene
Ganztagsgrundschule".

Fakt ist: PISA, Wirtschaftslage,
Ein-Eltern-Familien zwingen das deutsche
Schulsystem auf den Prüfstand. Bildung ist
nicht nur eine Frage der Schule, sondern auch
der sozialen Schichtung. Kinder aus armen
Familien haben deutlich schlechtere
Bildungschancen als die aus wohlhabenden.
Darum macht sich der SPD-Stadtverband stark
für die Einführung der Ganztagsgrundschule in
Marl, "weil die Ganztagsbeschulung der Schritt
in die richtige Richtung ist", so Manfred
Degen, bildungspolitischer Sprecher der
SPD-Landtagsfraktion. Er stellte am
Freitagabend das Konzept der "Offenen
Ganztagsgrundschule" vor (siehe Kasten rechts).
Ziel der Landesregierung ist, zum Schuljahr
2003/04 300 offene Ganztagsgrundschulen
einzurichten. In Marl hat die Verwaltung eine
Befragung der 19 Grundschulen vorgenommen,
dabei aber, so Dezernent Hasselmann, "eine
große Zurückhaltung bei Schulen und Eltern
konstatiert." Nur "vier bis fünf Schulen"
hätten Inter-esse bekundet. Eine Schule habe
eine Elternbefragung durchgeführt, aber nur
drei Rückmeldungen von Eltern bekommen. Eine
flächendeckende Ganztagsgrundschule kann sich
der Dezernent "wegen vieler offener Fragen"
nicht vorstellen. Könne die Schule mit einer
kleinen Gruppe starten? Werde die
Ganztagsbetreuung im Kindergarten bzw. die
"verlässliche Schule" damit hinfällig? Zudem
nähmen Kinder aus Problemgebieten das
Ganztagsangebot nicht an, weil Eltern die
Kosten nicht tragen könnten.
Sozialdezernentin Dr. Barbara Duka berichtete
hingegen von einer Befragung der Familien,
deren Kinder zum kommenden Schuljahr
eingeschult wedren. Danach gibt es einen
"großen Bedarf von 20 bis 30 Prozent". In Marl
seien 600 bis 800 Plätze in der
Ganztagsbetreuung erforderlich.
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