SPD: Kein Schlussverkauf bei infracor!

Auf Einladung des Konzernbetriebsratsvorsitzenden der E.ON AG, Ralf Blauth, informierten sich gestern 27 Mitglieder der SPD-Fraktion und des SPD-Stadtverbandes über die Auswirkungen der vorgesehenen Übernahme der Mehrheit an der Degussa AG durch die RAG. Dieser Anlass bot auch Gelegenheit, sich einen Eindruck von der neuen E.ON Zentrale in Düsseldorf zu verschaffen.

Die SPD-Delegation wurde geleitet von den stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden Lothar Zimmermann und Ingrid Heinen sowie Geschäftsführer Werner Arndt.

Schwerpunkt der Diskussion mit Ralf Blauth war natürlich die Frage, welche Auswirkungen die Veränderung beim Hauptaktionär auf den Standort Marl haben wird. Außerdem wurde intensiv über die Ankündigung des Vorstandes in der Betriebsversammlung in Marl debattiert, dass Degussa für die Infracor GmbH, den Standortdienstleister im Marler Chemiepark, einen Partner sucht, der auch in der Zukunft bereit ist, das Geschäft über die Grenzen des Standortes hinaus weiter zu entwickeln. In beiden Fällen findet man aus Sicht der SPD Licht und Schatten. Zwar wird RAG als neuer Mehrheitsaktionär der Degussa auch von den Arbeitnehmern voll akzeptiert und findet den Vorzug vor allen anderen Alternativen; z.B. Finanzinvestoren. Aber es wird auch so sein, dass sich ein unmittelbarer Einfluss der Chemiearbeitnehmer im Rahmen der Mitbestimmung im Aufsichtsrat nicht einstellen wird, da die RAG der Montanmitbestimmung unterliegt. Damit wird die Position auf die Muttergesellschaft gegenüber der jetzigen Situation bei E.ON geschwächt.

„Mit der Zukunft der Infracor ist auch die Zukunft der ChemSite-Initiative und der Westerweiterung eng verknüpft“ stellten die SPD-Vertreter und Ralf Blauth übereinstimmend fest. Degussa selbst hat bekanntlich kein Interesse an der Westerweiterung und will auch keine Investitionen der Infracor für neue Investoren im Chemiepark finanziell unterstützen. Ein Partner für die Infracor, der den Ausbau des Geschäftes der Infracor sogar über die Grenzen des Chemieparks hinaus als eigenes Kerngeschäft sieht, böte die Chance für eine erfolgreiche Ansiedlung von Investoren im Bereich der Westerweiterung.

Die Betriebsräte sehen hier jedoch noch erheblichen Regelungsbedarf. Ihre Forderungen an den Degussa-Vorstand werden von der Marler SPD inhaltlich voll unterstützt: Erhalt des Gemeinschaftsbetriebes am Standort Marl, der Tarifbindung, der sozialen Regelwerke, der Altersversorgung, der Ausbildung und des Personalzeitservice sind Themen, die in diesem Zusammenhang noch gelösten werden müssen.
Die SPD regt zu prüfen, ob unter dem Dach der neuen Muttergesellschaft RAG nicht auch alternative Lösungen gefunden werden können. Schwerpunkt bleibt dabei der Ausbau des Chemieparks und die Suche nach neuen Investoren. Damit soll das Projekt Westerweiterung gestärkt werden, denn Investoren im Chemiepark schaffen Arbeitsplätze, die für die gut qualifizierten Ausgebildeten dringend benötigt werden.